Es ist Ende September und ich kann in diesem Jahr nicht oft genug sagen, wie schnell die Zeit vergeht. Seit zwei Monaten steht auf meiner ToDo Liste, dass ich das erste Kapitel meiner Dissertation anfange, aber immer wieder kommen andere Dinge dazwischen und mir fehlt die Zeit, mich mal eine Woche am Stück nur dieser einen Sache zu widmen. Zum Glück ist es nicht so, dass ich tatenlos zuhause sitze und Däumchen drehe. In den letzten Monaten ist – wie immer – eine ganze Menge passiert, ich habe unheimlich viele neue Menschen kennen gelernt, Menschen, die ich bisher nur über Zoom treffen konnte, endlich auch mal abseits des Computers (und damit abseits meines eigenen Wohnzimmers) getroffen, ich habe meine letzten Publikationen überarbeitet und an Tagungen sowie AG Treffen teilgenommen und viele, viele neue Eindrücke und Inspirationen gewonnen.
Am 7. September startete mit Lauren Lee McCarthy, Künstlerin, Forscherin und Entwicklerin der Creative Coding Plattform p5.js, die internationale Vortragsreihe des Writing Machine Collectives, ein in Hong Kong angesiedeltes Medienkunst-Kollektiv, das sich auch theoretisch mit Fragen, Bedeutungen und Reichweiten neuer Medien beschäftigt. McCarthy thematisiert im Rahmen ihres Vortrags „You Can Say ‚Talk to Me’“ Fragen danach, inwiefern Algorithmen die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, beeinflussen, wie wir uns kritisch mit den technologischen und sozialen Systemen, die wir gleichzeitig um uns herum aufbauen, umgehen können. Um ähnliche Fragen ging es bei der „IEEE International Conference on Human-Machine Systems“ (ICHMS), die vom 8.–10. September in Magdeburg ausgerichtet wurde. Im Gegensatz zu vorangehenden Veranstaltungen lag der Fokus hier weniger auf der gesellschaftlichen oder kulturellen Bedeutung dieser Systeme, als vielmehr auf der Entwicklung und Implementierung eben dieser Systeme.
Auf einer weitaus niedrigschwelligeren Ebene sind kreative Zugänge zu Algorithmen-, Code- und Datenstrukturen anzusiedeln, die Gegenstand meines ersten in 2021 publizierten Papers sind: „Embracing Unfinishedness. Kreative Zugänge zu Data Literacy“ ist der Titel des Papers, das gemeinsam mit meinen beiden wundervollen Kolleg*innen entstanden ist und vor nicht all zu langer Zeit veröffentlicht wurde. Hier geht es um Fragen danach, wie kreative, spielerische Zugänge zu einfachen Algorithmen- und Datenstrukturen aussehen können und wie auf diese Art und Weise ein grundlegendes Verständnis für die zugrundeliegenden Prozesse entwickelt werden kann.
In einem anderen Paper, das gemeinsam mit meinem Doktorvater entstanden ist, geht es um Protest unter den Bedingungen von Digitalität, konkreter haben wir uns Ausdrucksformen des Widerstands im digitalen Zeitalter gewidmet, die wir auch als „programmierte Protestform“ fassen möchten. Der gemeinsame Text wurde im Autor*innenworkshop vom 23.–24. September an der Goethe Universität in Frankfurt am Main diskutiert und wird voraussichtlich im Frühjahr 2022 im Sammelband „Populismus und Protest unter Bedingungen von Medialität und Digitalität“ erscheinen.
Neben der Teilnahme an Tagungen und Workshops habe ich eine Einladung zu einer Panel Discussion an das Goethe Institut Ungarn bekommen. Am 6. Oktober habe ich die Ehre gemeinsam mit Györgyi Gálik, Innovationsdesignerin, und Ágoston Nagy, Künstler und Forscher an der Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design, zum Thema „AI Networks Energetics“ über Fragen des verantwortungsvollen, nachhaltigen Einsatzes von KI Systemen zu diskutieren.
